Makroökonomischer Kontext und Anlagephilosophie
Der Monat Juli bringt eine sich verändernde globale Makrokulisse mit sich, die durch geopolitische Komplexität, divergierende Geldpolitiken und sektorale Neuausrichtungen gekennzeichnet ist. Als in der Schweiz verwurzeltes Investmentbanking-Beratungsunternehmen mit aktivem Engagement auf dem US-Markt geht Neumarz diese Phase nicht mit Beklemmung, sondern mit konzentrierter Erwartung an. Wir bleiben sowohl ein vorsichtiger Beobachter als auch ein pragmatischer Kapitalallokator, der in einer fragmentierten globalen Landschaft strategische Standbeine ausfindig macht.
Geopolitische Volatilität und Ölmärkte
Fragile Stabilität im Nahen Osten
Das jüngste Aufflackern im Nahen Osten - ein brüchiger Waffenstillstand nach direkten Angriffen der Vereinigten Staaten auf iranische Atomanlagen - hat zu einer erheblichen, wenn auch vorübergehenden Volatilität der Ölpreise geführt. Rohöl der Sorte Brent stieg auf über $79, bevor es sich in der Nähe von $68 stabilisierte, als die Befürchtungen einer längeren Unterbrechung zurückgingen. Bemerkenswert ist, dass diese Preisbewegung bei minimaler physischer Unterbrechung der Verkehrsströme, insbesondere durch die Straße von Hormuz, stattfand. Die CBOE-Volatilität für Öl stieg deutlich über den historischen Mittelwert an, doch die längerfristigen Preiserwartungen bleiben im Überangebot verankert.
Ausblick und Strategie der Preisgestaltung
Wir stimmen mit führenden Marktforschungsinstituten wie BNP Paribas und UBS Global Markets überein: Die Ölpreise werden sich bis zum Jahresende wahrscheinlich in Richtung $60-65 bewegen, sofern es nicht zu systemischen Angebotsschocks kommt. Für in der Schweiz ansässige Institutionen oder in Dollar exponierte Portfolios schafft dies Spielraum für den Einsatz strukturierter Strategien - Aktienanleihen und Capped Bonus Notes -, die an die Volatilität des Ölpreises gekoppelt sind und Erträge bei gleichzeitigem Schutz des Kapitals ermöglichen.
Festverzinsliche Erträge: Rendite, Risiko und Währungsabsicherung
Dynamik des US-Schatzamtes
Im Bereich der festverzinslichen Wertpapiere befindet sich der Markt für US-Schatzpapiere weiterhin in einem heiklen Gleichgewicht. Einerseits steht das Finanzministerium aufgrund der steigenden Haushaltsungleichgewichte unter Druck - die Verschuldung im Verhältnis zum BIP hat sich in fünfzehn Jahren verdoppelt -, andererseits wird die inländische Nachfrage nach Schuldtiteln mit kurzer bis mittlerer Laufzeit durch Deregulierungsmaßnahmen künstlich gestützt. Die im zweiten Quartal angekündigten Änderungen der ergänzenden Verschuldungsquote (Supplementary Leverage Ratio, SLR) haben es den US-Banken ermöglicht, ihre Bilanzen um Staatsanleihen zu erweitern, ohne die Eigenkapitalanforderungen zu verletzen. Die 10-jährige Anleihe rentiert derzeit mit 4,23%, und Futures deuten auf eine dovishe Tendenz nach Powells Amtszeit im Jahr 2026 hin.
Schweizer Opportunitätsset
Schweizer Family Offices und Pensionskassen sind hier besonders gut positioniert. Bei einer Schweizer 10-Jahres-Rendite von 2,6% bietet eine Allokation in 5-Jahres-Treasuries selbst auf währungsgesicherter Basis einen Renditezuwachs von 150-180 Basispunkten. Unsere Strategie für festverzinsliche Wertpapiere legt daher den Schwerpunkt auf Staatsanleihen und Investment-Grade-Anleihen mit einer Laufzeit von 5-7 Jahren, wobei wir die Duration bei Rückgängen selektiv erhöhen.
Landschaft der Währungen: Kapitalströme und Absicherung
Aus der Währungsperspektive ist der EUR/USD-Wechselkurs, der im Jahresvergleich um fast 14% gestiegen ist, ein Beispiel für die anhaltende Schwäche des Dollars, die auf die Rückkehr der Kapitalströme nach Europa und Asien zurückzuführen ist. Der Dollar bleibt zwar strukturell wichtig, insbesondere bei Energietransaktionen, doch seine kurz- bis mittelfristige Entwicklung wird durch Defizitsorgen und geopolitische Risiken beeinträchtigt. Bemerkenswert ist, dass der Schweizer Franken seine Stabilität beibehalten hat, wobei der EUR/CHF-Kurs praktisch unverändert blieb (-0,47% YTD), was seine Rolle als regionaler Hafen bestätigt.
Strategische Overlay-Empfehlungen
In diesem Umfeld werden FX-Overlays nicht zu einem taktischen Handel, sondern zu einer Notwendigkeit für das Portfolio. Grenzüberschreitenden Anlegern empfehlen wir Multi-Leg-FX-Strategien, bei denen der USD geshortet und gleichzeitig ein Überengagement in EUR und CHF eingegangen wird. Darüber hinaus bietet die Beibehaltung einer Goldallokation (Zielwert 5-7%) sowohl einen Inflationsschutz als auch Vorteile bei der Währungsabsicherung, insbesondere angesichts des Goldpreisanstiegs von fast 26% im letzten Jahr.
Aktien: Selektive Überzeugung in Europa
Bewertungsdifferenzen zwischen den USA und Europa
Aktien bieten differenziertere Möglichkeiten. Der US-Aktienmarkt, angeführt vom S&P 500 und dem Nasdaq, wird weiterhin mit hohen Multiplikatoren gehandelt - Kurs-Gewinn-Verhältnisse von fast 22x für Large Caps, was Bedenken hinsichtlich der Nachhaltigkeit der Bewertung aufkommen lässt, insbesondere wenn das Gewinnwachstum im zweiten Halbjahr enttäuscht. Im Gegensatz dazu bieten die europäischen Mid Caps (insbesondere der deutsche MDAX) ein überzeugendes relatives Wertangebot. Dank der geringeren Handelsunsicherheit und der umfangreichen Finanzspritzen, einschließlich der von Deutschland geplanten Erhöhung der Verteidigungsausgaben auf 162 Mrd. EUR bis 2029, dürften sich Aktien aus der Eurozone auf risikobereinigter Basis besser entwickeln.
Taktische Zuteilung
Die EPS-Prognosen für die MDAX-Konstituenten deuten auf ein Wachstum von 20% bis 2026 hin, das durch inländische Investitionen und eine sich erholende Exportnachfrage gestützt wird. Zwar bestehen weiterhin Risiken - vor allem die politische Fragmentierung und das Engagement im Energiesektor -, doch die Gründe für eine Neugewichtung in Richtung europäischer SMIDs liegen in der Bewertung, der Ertragstransparenz und der politischen Unterstützung. Schweizer Vermögensverwalter und institutionelle Mandate sollten eine Reallokation marginaler Aktienengagements in diesen Segmenten in Erwägung ziehen und diese mit den defensiven Eigenschaften der Schweizer Majors im Gesundheitswesen und bei den Basiskonsumgütern ausgleichen.
Reale Vermögenswerte: Resilienz von Wohnungen
Preisanpassung und Rückforderung
Das Immobiliensegment, das in Zeiten steigender Zinsen oft vernachlässigt wird, erlebt einen Aufschwung - zumindest im europäischen Wohnungssektor. Die Zinssenkungen der EZB in Verbindung mit der Lockerung in Schweden und den erwarteten Anpassungen in der Positionierung der SNB führen zu einer Belebung der Hypothekenaktivitäten. Städtische Märkte wie Zürich, München und Barcelona erholen sich sowohl beim Preis- als auch beim Mietwachstum, mit Renditeerwartungen im Bereich von 7-8% über fünf Jahre.
Institutionelle Rotation
Institutionelle Anleger haben begonnen, sich wieder in diesem Bereich zu engagieren, insbesondere über REITs und paneuropäische Fonds. Wohnimmobilien, die eine geringere Volatilität und eine höhere Belegungsstabilität als Büro- oder Einzelhandelsimmobilien bieten, werden zunehmend bevorzugt. Dies steht im Einklang mit unserer strategischen Ausrichtung: Wir sind neutral bis positiv gegenüber Wohnimmobilien mit moderater Hebelwirkung und konzentrieren uns auf städtische Kernmärkte mit dynamischer Demografie.
Rohstoffe und thematische Allokationen
Fossile Brennstoffe vs. Übergangsmetalle
Die Rohstoffe als Kategorie spiegeln die Zweiteilung wider. Traditionelle Kohlenwasserstoffe stehen weiterhin unter Druck: Brent und WTI sind im Jahresvergleich um über 7% gefallen. Die Übergangsmetalle - Lithium, Nickel, Kupfer - ziehen dagegen weiterhin Kapitalzuflüsse an. Aus unserer Sicht ist die Untergewichtung von Öl gerechtfertigt, sofern es nicht zu einem makroökonomischen Schock kommt. Stattdessen sollte die langfristige strategische Allokation den Schwerpunkt auf Metalle legen, die auf Dekarbonisierungsthemen ausgerichtet sind, und dabei Schweizer Rohstoff-Tracker oder in den USA notierte thematische ETFs verwenden.
Gold als strategischer Anker
Gold, das im letzten Jahr bereits um über 25% gestiegen ist, behält seine strategische Anziehungskraft. Die Käufe der Zentralbanken, insbesondere in Asien, sowie die Inflationsunsicherheit und der geopolitische Absicherungsbedarf stützen weiterhin die Nachfrage. In ausgewogenen Portfolios behalten wir eine strategische Allokation von 5-7% bei.
Strategischer Zuweisungsrahmen
Aktien:
- Übergewichtung europäischer SMID-Caps, insbesondere in den Segmenten Industrie und techniknahe Bereiche
- Neutrale US-Aktien; Beobachtung von Gewinnüberraschungen und geldpolitischer Flexion
- Untergewichtung der Schwellenländer, mit Ausnahme eines selektiven Engagements in Indien
Festverzinsliche Wertpapiere:
- Bevorzugung von Investment-Grade-Anleihen aus den USA und der Eurozone (5-7 Jahre Laufzeit)
- Schweizer Staatsanleihen als defensiver Anker
Währungen und Rohstoffe:
- Konstruktiv für EUR und CHF gegenüber USD
- Strategisches Engagement in Gold beibehalten
- Untergewichtung von Öl, Übergewichtung von Übergangsmetallen
Alternativen:
- Unterstützung von Wohnimmobilienstrategien über Fonds oder Direktmandate
- Erkundung privater Kreditstrukturen (z. B. ISO-basierte Kredite auf dem US-Markt) als renditesteigernde Anlagen
Schlussbemerkung
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Volatilität zwar wieder in den Mittelpunkt gerückt ist, sich dadurch aber auch neue Chancen ergeben. Unser grenzüberschreitender Blickwinkel ermöglicht es uns, Makrorauschen zu filtern und mit Überzeugung zu reagieren. Durch ein ausgewogenes Verhältnis zwischen thematischen Engagements und taktischen Absicherungen ist Neumarz zuversichtlich, in der zweiten Hälfte des Jahres 2025 risikobereinigtes Alpha zu erzielen. Wir stehen weiterhin für Szenariomodellierung, kundenspezifische Stresstests und Echtzeit-Allokationsverfeinerungen zur Verfügung.